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Erlebtes, Gedachtes und Aufgeschriebenes

Erinnerungen aus meiner Schreibtischschublade

 

 

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Hagenbuttentee           wpe21.jpg (2416 bytes)

Ich war im Spital….gestern wurde ich vorläufig nach Hause entlassen, in die Obhut meines Hausarztes und der Spitex. Eine feine Sache.

„Sie müssen viel trinken" hatten mich alle Schwestern immer wieder ins Gewissen geredet und ich wollte sie nicht enttäuschen. Ich trank was das Zeug hielt.

Am ersten Tag klappte das auch wunderbar.

„Was möchten sie heute trinken" wurde ich am zweiten Tag sehr freundlich gefragt. Mir war es egal, denn ich fühlte mich viel zu elend....und  wie was schmeckte war mir völlig wurscht !

„ …… wir haben Lindenblütentee, Hagenbuttentee, Pfefferminztee…oder hätten sie lieber Mineralwasser?" Ich weiss, dass Hagenbuttentee ganz besonders gesund sein soll, er gefällt mir auch gut wegen seiner schönen roten Farbe. „Hagenbutentee wäre fein, danke"

Die Zeit verging. Als gegen Ende des Vormittags noch kein Hagenbuttentee gebracht war, fragte ich die nächste Schwester die durchs Zimmer rauschte „äxgüsi Schwöschter, händsi min Tee ächt vergässe"? „Oh tut mir leid, er kommt sofort, viel trinken ist jetzt sehr wichtig für sie!"

Ich war gerade eingenickt...wumm, die Tür wurde aufgerissen und eine männliche Schwester knallte mir eine Halbliterflasche Mineralwasser auf meinen Nachttisch und weg war er. Folgsam wollte ich trinken. Meine Handgelenke sind auch nicht mehr was sie einmal waren, wen wundert's da, dass ich beim besten Willen die Flasche nicht öffnen konnte. Abwarten, da kommt sicher bald wieder jemand vorbei.

Aber niemand kam....und die Zeit verging.

Als mir das Mittagessen gebracht wurde nutze ich die Gelegenheit und bat, dass man mir die Flasche öffnen möge. „Möchten sie nicht vielleicht lieber Tee" „nein, nein, Wasser ist schon gut" meinte ich bescheiden, etwas weniger bescheiden war vielleicht, dass ich auch noch ein Glas dazu verlangte. Tapfer lächelte sie mich an, nahm die Flasche und stapfte aus dem Zimmer. „Ich bringe Ihnen besser einen Krug Tee, sie hatten doch Hagenbuttentee, ja?" Ich staunte, dass sie das noch wusste.

Wiederum geschah nichts, einfach nichts. Jetzt hatte ich gar nichts mehr. Kein Wasser, keinen Tee und kein Glas, einfach nichts.

Später einmal steckte jemand den Kopf durch die Tür und ich hakte gleich nach und fragte nach meinem Tee, den ich dann in den nächsten paar Minuten auch tatsächlich bekam. Mit Gegrochse habe ich’s geschafft mich aufzusetzen, aber gopfridschtutz…….der Deckel von der Themosflasche sass für meine Möglichkeiten viel zu fest. Es hätte mir auch gar nichts genützt, denn........ von einem Glas keine Spur!

Gegen Abend kam dann meine Tochter vorbei, Gott segne sie, in ihrem jugendlichen Alter ist es ihr mühelos gelungen den Deckel von der Thermosflasche abzuschrauben, ein Glas zu beschaffen und ....... sie schenkte einen wunderschönen, goldgelben Lindenblütentee ein. Trinken konnte ich ihn zwar noch nicht, er dampfte immer noch wie die Spanischbrötlibahn zu ihren besten Zeiten, aber er leuchtete so wunderschön im Glas….als wäre er ein edler Tropfen.

Natürlich geschieht mir das alles recht, denn über jedem Bett hängt ein Knopf und wenn man den drückt erscheint augenblicklich eine Schwester oder ein Pfleger, also was soll’s.

Warum nennt man eigentlich im Spital eine männliche Krankenschwester nicht Krankenbruder, oder einen weiblichen Pfleger nicht Pflegerin?

27.Februar 1999 ms

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